«base4kids2» 12.04.2021, 10:27 Uhr

Schulinformatik: Stadt Bern braucht mehr Geld und setzt künftig auf Microsoft

Der Berner Gemeinderat beantragt dem Stadtrat einen Nachkredit für die Schulinformatik-Plattform «base4kids2». Damit soll unter anderem die bisherige Open-Source-Software durch Microsoft-Office-Produkte abgelöst werden.
(Quelle: Nicolas Jossi / Unsplash )
Die Schulinformatik der Stadt Bern braucht einen Neustart. Deshalb hat der Gemeinderat – gestützt auf einen externen Analysebericht – im November des letzten Jahres eine umfassende Neustrukturierung des Projekts «base4kids2» im Auftrag gegeben. Denn die Schulinformatik-Plattform war nicht benutzergerecht und wies grosse Funktionsmängel auf. Das Berner Stimmvolk hatte 2018 einen Gesamtkredit von 24,5 Millionen Franken für diese gutgeheissen.
Den Angaben zufolge konnte die Stadt «zahlreiche Sofortmassnahmen» ohne Kostenfolgen bereits im ersten Quartal dieses Jahres umsetzen. Damit das IT-Projekt jedoch wieder auf Kurs kommt, braucht es zusätzliche Mittel. Wie der Gemeinderat mitteilt, beantragt er dem Stadtrat einen Nachkredit von 2,68 Millionen Franken für die Neustrukturierung der Schulinformatik-Plattform. 2,14 Millionen Franken würden dabei den Investitionskredit betreffen und 0,54 Millionen den Verpflichtungskredit. Der Globalkredit des Schulamts werde zusätzlich mit 597'000 Franken im 2021 resp. mit 397’000 Franken ab 2022 belastet.
Mit dem Geld will der Gemeinderat verschiedene Verbesserungen vornehmen. Einerseits gibt es bei der Software einen Richtungswechsel. Die Open-Source-Lösungen Collabora und Kollab, die im Communiqué als «nicht benutzergerecht» bezeichnet werden, will man durch gängige Microsoft-Office-Produkte (Office 365 inklusive OneDrive, Teams usw.) ablösen. Andererseits soll neue Hardware beschafft werden. Den Angaben zufolge will man qualitativ mangelhafte Peripherie-Geräte wie Tastaturen und Stifte ersetzen. Im Zyklus 2 würden zudem zusätzlich 1000 iPads für die Klassen des 5. und 6. Schuljahrs beschafft. So soll bei diesen eine 1:1-Ausstattung ermöglicht und die heutigen pädagogischen Anforderungen an die Unterrichtsgestaltung besser erfüllt werden. Und im Zyklus 3 wird ausgewählten Schulen laut Mitteilung schliesslich zusätzlich zu den iPads neu je ein Klassensatz mit 25 Notebooks zur Verfügung stehen. Diese könne man mieten und würden von den städtischen Informatikdiensten verwaltet.

BYOD für Lehrpersonen

Für Lehrpersonen gilt künftig das BYOD-Prinzip (Bring Your Own Device), wie es weiter heisst. Denn sie sollen ergänzend zu den base4kids2-Tablets ihre eigenen Geräte benutzen. Für die Anschaffung haben sie alle zwei Jahre Anspruch auf einen Beitrag von 400 Franken. Zudem gibt es für die Lehrerinnen und Lehrer rückwirkend 200 Franken an bereits privat angeschaffte, beruflich genutzte Notebooks. «Als Zeichen des Goodwills», schreibt der Gemeinderat.
Entschädigungen gibt es auch für die Spezialistinnen und Spezialisten für Medien und Informatik (SMI) der Schulen. Sie sollen für ihren Mehraufwand in den Jahren 2020 und 2021 eine Entschädigung von insgesamt 200'000 Franken erhalten. Das «Team Praxis», das aus Informatikbeauftragten der Schulen besteht, wird für seine Arbeit mit insgesamt 40'000 Franken entschädigt. «Der Einbezug der Praxis war und ist für die Beurteilung und Priorisierung der Massnahmen und Korrekturen entscheidend», erklärt der Berner Gemeinderat.
Die Massnahmen sollen den Angaben zufolge nun während dem Sommerferien getestet und auf das kommende Schuljahr 2021/22 umgesetzt werden. Die Anmietung der Notebooks soll bis Ende 2021 abgeschlossen sein. Zudem hat man für das Projekt die Stelle des Product Owners geschaffen und besetzt. Dieser soll seine Arbeit am 1. Juli aufnehmen. Auch eine Stelle eines / einer Applikationsverantwortlichen hat man ausgeschrieben – diese Stelle soll auf den 1. September besetzt werden. Und nicht zuletzt will der Gemeinderat das Projekt auch rechtlich aufarbeiten. Hierzu erteilte er zwei externe Aufträge. «Für den weiteren Projektverlauf und für künftige ähnliche Projekte will der Gemeinderat die richtigen Schlüsse aus der Aufarbeitung der Probleme ziehen können», heisst es abschliessend.




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