Dell Technology World 02.05.2019, 15:47 Uhr

Dell «cloudifiziert» das Rechenzentrum

Dell strotzte auf der diesjährigen Hausmesse nur so vor Selbstvertrauen. Im Zentrum der Ankündigungen standen Cloud-integrierte Rechenzentren sowie neue «coole» Notebooks.
Zur Hausmesse «Dell Technology World» in Las Vegas kamen 15'000 Besucher aus 122 Ländern
(Quelle: Harald Weiss)
«Wir sehen uns für alle gegenwärtigen IT-Anforderungen bestens aufgestellt», schwärmte Dells CFO Tom Sweet voller Selbstvertrauen im Gespräch mit Computerworld an der Hausmesse «Dell TechnologyWorld». Die Zuversicht führte er auf viele signifikante Veränderungen in der letzten Zeit zurück. So habe man in den vergangenen zweieinhalb Jahren hart daran gearbeitet, Dell-Produkte mit denen von EMC und VMware zu integrieren. Ziel war es, den IT-Chefs und -Administratoren die Arbeit zu erleichtern und gleichzeitig Kosten zu sparen. Am deutlichsten wird das Ergebnis dieser Anstrengungen an Dells neuer Cloud-Strategie erkennbar, die an dem Anlass in Las Vegas deutlich wurde.
Dazu muss man etwas weiter ausholen. Mit beim Aufkommen der Cloud-Hype vor zehn Jahren sahen viele Analysten bereits das Ende der On-Premises-Anbieter. «Das aber war ein Weckruf für uns alle», erinnert sich Sweet heute. Mit umfangreichen Analysen suchte man nach Schwachstellen in der Cloud und wurde bald fündig. Es stellte sich nämlich heraus, dass die anfangs gepriesenen Kostenvorteile nur selten zu realisieren waren, dass es häufig Performance-Probleme gibt – und dass viele Services und Tools proprietär sind, was leicht zu einem Lock-in führt. Folglich häuften sich die Fälle, in denen die CIOs einen Teil der Applikationen wieder «auf die Erde», also ins eigene Rechenzentrum, zurückholten. «Die wirklich entscheidenden Vorteile des Cloud Computings sind die einfachen Nutzung und die extreme Flexibilität, vor allem bei Storage und Server», führt Sweet weiter aus. Damit waren die Vorgaben für Dells R&D-Abteilungen gestellt: «Macht die hauseigene IT-Infrastruktur genauso einfach und flexibel, wie es in der Cloud angeboten wird.» Das aber war leichter gesagt als getan. Es erforderte einen langwierigen Prozess, zu dem auch eine Reihe an Akquisitionen gehörte, bis jetzt spürbare Ergebnisse in Las Vegas vorgestellt werden konnten.
Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die neue «VMware Cloud on Dell EMC» ist eine Art «Hyper-Hyper-Converged Infrastructure» für das eigene Rechenzentrum Hier sind nicht nur die On-Premises System-Komponenten aufeinander abgestimmt, sondern mittels der ebenfalls neu geschaffenen System-Management-Oberfläche «Dell Technologies Cloud» lassen sich auch mehrere Cloud-Anbindungen nahtlos integrieren.

Eine echte, nahtlose Hybrid Cloud

«Wir haben das Software-defined-Datacenter um die Cloud erweitert», erklärte VMwares CEO Pat Gelsinger in seiner Keynote das neue Konzept. Richtiger wäre es zu sagen, dass man das eigene Rechenzentrum zu einer Cloud-Umgebung umgewandelt hat. Denn im Gegensatz zu den vielen bisherigen Privat-Cloud-Systemen bietet Dell jetzt nicht nur eine vereinfachte Bereitstellungsform für IT-Leistungen, sondern auch viele andere Vorzüge, die man bislang nur von den Cloud-Providern her kennt.
Microsoft-CEO Satya Nadella und Dell-CEO Michael Dell kooperieren für die Hybrid Cloud
Quelle: Harald Weiss
Dazu gehört an erster Stelle eine verbrauchsabhängige Abrechnung. Dell berechnet nicht die einzelnen Server und Storage-Units, die es installiert, sondern nur die genutzten Leistungen. Des Weiteren gehören zum Angebot die komplette Systemadministration, automatische Upgrades, Security-Massnahmen und garantierte Verfügbarkeiten. Über die neue Management-Oberfläche lässt sich frei definierbar festlegen, welche Applikationen in den eigenen Rechenzentren, beziehungsweise in einer der angeschlossenen Cloud-Plattformen ablaufen sollen. Das lässt sich aber auch noch automatisieren, in dem bei entsprechendem Bedarf automatisch Cloud-Instances angemietet werden.

Hybrid Cloud mit Microsoft

Was die nutzbaren Cloud-Plattformen angeht, so funktioniert das neue Dell-Angebot aber nur, wenn der komplette VMware-Cloud-Stack verfügbar ist. Das ist derzeit bei AWS und Microsoft schon der Fall. Wobei es aber Nutzungsunterschiede gibt. Wer die AWS-Cloud nutzen will, muss die entsprechenden VMware-Programme dort selbst anmieten. Anders ist die Situation mit Microsofts Azure-Plattform.
So kündigten Dell-CEO Michael Dell und Microsofts-CEO Satya Nadella eine umfangreiche Kooperation an, bei der Dell im Rahmen seiner neuen On-Premises-Cloud auch die Azure-Leistungen integriert mit anbietet. Im Gegenzug will Microsoft Dells On-Premises-Cloud als integralen Bestanteil seines Azure-Angebotes vermarkten. Das beutet, dass Microsoft der Azure-Plattform die Option einer kompletten In-House-Infrastruktur hinzufügt, die es dem Anwender erlaubt, seine Anwendungen nahtlos zu verschieben. Wobei alles komplett nutzungsabhängig abgerechnet wird. «Die Kunden fordern schon seit langem eine nahtlose Verbindung von der Private- und der Public-Cloud», sagte Nadella über den Hintergrund der Kooperation.

AWS hatte mit Outposts vorgelegt

Die Idee einer friktionslosen Anbindung der In-House-Infrastruktur an die Cloud ist nicht neu. Schon seit geraumer Zeit fordern Cloud-Anwender, dass das Konzept von Multi-Cloud-Lösungen nicht nur die Nutzung verschiedener Cloud-Plattformen enthalten darf, sondern insbesondere auch die Einbindung der hausinternen Infrastruktur ermöglichen muss. AWS hat hierzu im vergangenen Dezember sein Outposts-Angebot vorgestellt, bei dem Amazon eigene Hard- und Software beim Kunden installiert und betreibt, mit der sich dann die Anwendungen ebenfalls nahtlos hin-und-her verschieben lassen, und die Abrechnung ebenfalls verbrauchsabhängig ist.
VMware-Chef Pat Gelsinger sieht in der «VMware Cloud on Dell EMC» eine Erweiterung des Rechenzentrums um die Cloud
Quelle: Harald Weiss
Was das neue Dell-, beziehungsweise Microsoft-Angebot angeht, so schienen die rund 15'000 Teilnehmer der Veranstaltung in Las Vegas sehr begeistert, denn die Präsentationen wurden mit lautstarkem Applaus begleitet. Sascha Meier, Field-CTO bei Dell in der Schweiz, sagte im Gespräch mit Computerworld, dass dieses Angebot für viele seiner Schweizer Kunden hochinteressant sei. «Alle grossen Schweizer Unternehmen haben Cloud Computing schon seit geraumer Zeit adaptiert. Derzeit findet bei vielen Banken eine weitreichende Rechenzentrumsmodernisierung mit Office 365 und einer damit einhergehenden verstärkten Nutzung der Azure-Plattform statt. Da kommt unser Angebot genau zum richtigen Zeitpunkt», sagt er über die Situation im Schweizer Markt. Seiner Einschätzung nach haben inzwischen 85 Prozent der Kunden bereits eine Multi-Cloud-Strategie. «Mit unserem Konzept von Edge-Core-Cloud erleben wir eine sehr grosse Resonanz, vor allem bei den Telkos und in der Industrie, denn neue Technologien werden bei uns hier wesentlich schneller adaptiert, als es in vielen anderen Ländern der Welt der Fall ist», lauten seine Erfahrungen mit den Schweizer Dell-Kunden.

Neues auch bei den Endgeräten

Neben den neuen Cloud-Angeboten gab es natürlich auch Neuheiten in Dells angestammten Produktfelder; allen voran bei den Endgeräten. So ist man auf einem guten Weg, um mit schickem Design, das frühere Image vom günstigen, aber altbackenen PC-Anbieter endgültig abzulegen. «Der PC-Markt ist für uns wichtig. Die junge Generation, die jetzt auf den Arbeitsmarkt trifft, verlangt coole Laptops, die nicht nur eine State-of-the-Art-Technologie bieten, sondern, die vor allem auch vorzeigbar sind», erläutert Sweet die Bemühungen seines Unternehmens auf diesem Gebiet.
So wurden an dem Anlass Verbesserungen bei den Latitude-Notebooks der zehnten Generation angekündigt. Diese Systeme davon wurden schon im Januar an der Messe CES vorgestellt und jetzt um weitere Modelle und mehr Design-Optionen erweitert. Zu den besonderen Merkmalen der Notebooks gehören neben dem neuen Design auch technische Besonderheiten, wie eine besonders grosse Batterieleistung, Cornings Gorilla Glas DX und Intels i7-vPro-4-Core-Prozessoren der achten Generation.
Ergänzt wird die neue Hardware durch den «Unified Workspace». Dieses Set an einheitlichen Deployment- und Management-Tools soll die einfache und sichere Administration aller Dell-Endgeräte erlauben. Das System basiert auf VMware Workspace One, umfasst aber ausserdem noch die Einbindung von Microsoft 365 sowie die bekannten Provisioning- und Deployment-Services von Dell. «Mit dem Einsatz von Unified Workstation lässt sich der aufwändige Endgeräte-Support deutlich beschleunigen und kostengünstiger gestalten», sagt Shankar Iyer, Senior Vice President für Enduser-Computing bei VMware.



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