IT-Branche 18.07.2017, 10:30 Uhr

Kanton Schaffhausen plant digitale Bürger-ID

Der Kanton Schaffhausen entwickelt mit dem Start-up Procivis eine digitale Bürger-ID. Sie soll den Einwohnern elektronische Behördendienste zugänglich machen.
Regierungspräsidentin Rosmarie Widmer Gysel macht sich stark für die digitale Bürger-ID © www.rosmarie-widmer.ch
Der Kanton Schaffhausen und das Start-up Procivis wollen eine kostenlose Bürger-ID als Mobile-App bereitstellen. Über eine App sollen die Bewohner Schaffhausens Zugriff bekommen auf das kantonale Bürgerportal und die dort verfügbaren Behördendienste. Wie es in einer Mitteilung von Procivis heisst, werden die Anwendungen im Rahmen eines Pilotprojekts entwickelt und Anfang Dezember präsentiert. 
Die Procivis-Lösung dient dem Bürgerportal des Kantons als technisches Rückgrat für identitätsbezogene Online-Services. Anwendungsfälle sollen etwa Einwohnerkontrolldienste oder Steuer-Services sein. «Schaffhausen ist der Kanton für die Anwendung zukunftsweisender Technologien. Erst autonome Busse am Rheinfall, nun eine integrierte E-Government-Lösung für alle Bürger. Ich bin überzeugt, dass wir uns damit in die richtige Richtung bewegen», sagt Regierungspräsidentin Rosmarie Widmer Gysel laut der Mitteilung. 

Blockchain kommt zu früh

Procivis war Anfang Jahr mit dem Ziel angetreten, eine E-Government-Plattform auf Basis der Blockchain-Technologie zu entwickeln. Für Gründer und CEO Daniel Gasteiger bedeutet das Projekt in Schaffhausen die erste konkrete Umsetzung: «Mit dem Ausbau des Bürgerportals positioniert sich der Kanton an der Spitze der E-Government-Entwicklung in der Schweiz», sagt er. 
Bei dem Pilotprojekt in Schaffhausen setzt Gasteiger vorerst auf proprietäre Technologie. «Für den Produktiveinsatz der Blockchain-Technologie ist es noch zu früh», sagt der CEO auf Anfrage von Computerworld. Die Procivis-Lösung besitze allerdings eine Schnittstelle zu Blockchain-Implementierungen, beispielsweise uPort von ConsenSys. Ein Ziel sei, die Technologie in einer späteren Phase des Projekts mit einzubinden, sagte Gasteiger. Für die Lösung von Procivis interessierten sich noch andere Kantone und auch Behörden jenseits der Grenze.

Bürger-IDs aus Zug und von der Post

Die Schaffhauser Bürger-ID ist nicht der einzige digitale Identitätsnachweis in der Schweiz. Erst jüngst hatte die Stadt Zug angekündigt, seinen Einwohnern eine digitale ID ausstellen zu wollen. Die «E-ID» soll im September lanciert und für Behördendienstleistungen sowie für einen Pilotversuch zum E-Voting verwendet werden. Als Backend ist die Ethereum-Blockchain vorgesehen. 
Parallel planen die Post und die SBB die Lancierung der «SwissID». Der Identitätsnachweis soll ab Herbst von den Endkonsumenten kostenlos bezogen werden können. Besser gesagt: Die SwissID wird von den Konsumenten bezogen werden, denn eine Wahl haben sie nicht wirklich. Wer ein Post Login oder/und einen SwissPass besitzt, bekommt automatisch eine SwissID ausgestellt. Das Gemeinschaftsunternehmen von Post und SBB, SwissSign, will mit der automatischen Ausstellung sicherstellen, dass der Identitätsnachweis innert kurzer Zeit eine kritische Masse an Nutzern erreicht.




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