Werbeblocker 03.02.2015, 15:06 Uhr

Amazon und Microsoft bezahlen Adblock Plus

Vermutungen gab es schon lange, jetzt ist klar: Neben Google geben auch Microsoft, Amazon und Taboola Geld dafür aus, dass über sie gebuchte Anzeigen trotz Werbeblocker ausgeliefert werden.
Soll sich auf die Whitelist gekauft haben: Amazon
(Quelle: shutterstock/TACstock)
Dass Adblock Plus, hinter dem das Start-up Eyeo steht, käuflich ist und grosse Internetunternehmen gegen unbekannte Summen auf die Whitelist setzt, ist bekannt. Zu den Firmen, die den Werbeblocker bezahlen, gehört beispielsweise Google. Wie die Financial Times nun berichtet, haben auch Microsoft, Amazon und die Content-Marketing-Plattform Taboola Geldbeträge in unbekannter Höhe investiert, damit ihre Anzeigen trotz Blockierung ausgespielt werden.
Microsoft betreibt die Suchmaschine Bing, die wie Google Werbenazeigen zulässt. Wie der Konzern gegenüber der Financial Times erklärte, will man den Kunden immer die Wahl lassen, wenn es um Werbung geht. "Wir sind verpflichtet, mit Partnern zusammen zu arbeiten, die unsere Vision von relevanter, eindrucksvoller Markeninteraktion teilen, und die Integrität der Kundenentscheidung respektieren."
Das Whitelisting ist einer der grössten Kritikpunkte an der Eyeo GmbH. Anzeigen von Firmen, die auf dieser Liste stehen, werden vom Werbeblocker verschont und trotz Installation der Software weiter auf den Webseiten der User ausgeliefert. Für kleinere Webseiten und Blogs ist das kostenfrei, grössere Unternehmen müssen dafür zahlen. Eyeo will 30 Prozent der Werbeeinnahmen. Als Grund nennt der Anbieter den "erheblichen Aufwand" für die Betreuung der genehmigten Ausnahmen. Das ist für die Kläger ein kartellrechtliches Problem: Adblocker gibt es inzwischen zwar einige, allerdings niemanden der ein solches "marktbeherrschendes" Whitelist-Prinzip anbietet.
Für Publisher, Vermarkter und Advertiser ist der Werbeblocker ein ernstzunehmendes Problem. Daher reichten ProSiebenSat.1 und IP Deutschland bereits im Juli vergangenen Jahres Klage gegen Eyeo und den Einsatz der Software ein. Am 17. Dezember 2014 fand die erste mündliche und öffentliche Anhörung der beiden Vermarkter vor dem Münchner Landgericht statt. Ein Ergebnis wird im März erwartet.
Wie es aussieht, wenn Werbeunterdrücker in der Offline-Realität zum Einsatz kommen, zeigen vier US-Studenten anhand einer Virtual-Reality-Brille (VR), die Marken in Echtzeit ausblendet.



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