Ein Büro im Reisfeld 02.08.2017, 15:38 Uhr

Bali wird zum Ziel digitaler Nomaden

Bali ist für viele eines der absoluten Urlaubs-Traumziele. Doch neuerdings kommen mehr und mehr Leute zum Arbeiten auf die Insel: digitale Nomaden aus aller Welt. Sogar Barack Obama war gerade da.
(Quelle: Wonderful Nature / Shutterstock.com)
Zur Arbeit hat es Marion Kutta nicht weit. Fünf Minuten mit dem Roller, dann ist sie da. Und dann blickt die Werbefilm-Produzentin aus München nicht etwa auf Stachus oder Frauenkirche, sondern ins Reisfeld. Die 48-Jährige hat ihr Büro seit ein paar Monaten in 12.000 Kilometern Entfernung: auf Bali. Wo das Wetter besser ist, das Leben billiger und der Strand nicht so weit.

Die Eigentümerin der Produktionsfirma Global Players (Kunden: BMW, Rimowa und Red Bull) gehört jetzt zu den digitalen Nomaden - Leute, denen es letztlich egal ist, wo auf der Welt sie Laptop oder Tablet aufklappen, um ihr Geld zu verdienen. Moderne Wanderarbeiter, die oft nur ein paar Monate bleiben und dann weiterziehen. Viele Leute aus Medien- oder Modebranche, aber neuerdings zum Beispiel auch Ärzte.

Bali, eigentlich Sehnsuchtsziel für Urlauber (mehr als fünf Millionen pro Jahr), hat sich in der Szene zu einem der absoluten Lieblingsorte entwickelt. In allen einschlägigen Ranglisten findet sich die indonesische Insel auf einem der ersten Plätze. Was - abgesehen von der exotischen Umgebung und dem Wetter - auch daran liegt, dass man hier mit 1.000 Euro im Monat gut auskommen kann.

Ubud vs. Canggu

Inzwischen machen sich sogar zwei Orte Konkurrenz: die Kleinstadt Ubud im Inselinneren und das noch kleinere Canggu, anderthalb Autostunden weiter an der Küste, das den Strand als Vorteil hat. Noch aber liegt Ubud vorn. Diesen Sommer war sogar Barack Obama hier zu Besuch, der gerade an den Memoiren über seine Zeit als US-Präsident arbeitet - gewissermassen die Luxus-Ausgabe des digitalen Nomaden.

In Ubud gibt es jede Menge WLAN-Cafés und auch ein halbes Dutzend "Coworking-Spaces" - offene Büros mit Highspeed-Internet, in die man sich einmieten kann. Das grösste heisst "Hubud", ein zweistöckiger Bau aus viel Bambus. Offenes Büro ist hier wörtlich gemeint: Man sitzt, wenn man will, an der frischen Luft. Zum Reisfeld hinaus gibt es keine Fenster.

Das Café hat geeisten Cappuccino, Soja-Latte und viel Rohkost im Angebot. Am Schwarzen Brett hängen Angebote für Yoga-Kurse. Man lebt gesund hier, und es wird kräftig genetzwerkt. Als das "Hubud" 2013 gegründet wurde, waren 25 Leute dabei. Im Laufe der Zeit stieg die Gemeinde auf 5000 an. Viele zahlten ihren Beitrag aber nur ein paar Monate.

Heute sind es 250 zahlende Mitglieder aus mehr als 30 Ländern und allen möglichen Zeitzonen. Unter der Woche ist das Büro wegen der Zeitverschiebung rund um die Uhr geöffnet. Der Tagespass kostet 20 Dollar (etwa 17 Euro). Die Internet-Flatrate für den ganzen Monat gibt es für 275 US-Dollar (etwa 235 Euro) - nicht billig, aber dafür gibt es hier die schnellste Verbindung.




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