Microsoft flirtet mit Linux und Open Source

Strategische Annäherung an Linux

„Mobile first“: Immer mehr Unternehmen setzen auf mobile Geräte anstatt auf Desktops – zum Beispiel auf Microsofts Ta­blet Surface Pro 4.
Quelle: Microsoft
Den Beitritt Microsofts zur Linux Foundation als blosse Marketingmassnahme einzustufen, wäre eine Fehleinschätzung. Denn ein vergleichbarer Werbeeffekt liesse sich zweifelsohne deutlich kostengünstiger erzielen.
Adobe Systems beispielsweise ist nur eine Silber-Mitgliedschaft in der Linux Foundation für 25.000 Dollar pro Jahr eingegangen. Mangels marktreifer Lösungen ist Adobes Unterstützung des quelloffenen Betriebssystems zudem nicht mehr als ein Lippenbekenntnis.
Im Gegensatz dazu scheint Microsoft darauf abzuzielen, durch die strategische Annäherung an Linux die Lücken im eigenen Produktportfolio zu füllen und sich neue Kreise von Enterprise-Anwendern zu erschliessen.
Microsofts Kritiker fürchten allerdings ein Déjà-vu der Strategie „Embrace, extend, and extinguish“ („Annehmen, erweitern und auslöschen“). „,Malware‘ ist der passende Name für die Art und Weise, wie Microsoft seine Anwender behandelt“, beschwert sich lautstark Richard Stallman, Gründer der quelloffenen Software-Bewegung GNU.
Sollte Microsoft im lukrativen Markt für Datencenterlösungen, Cloud-Computing und HPC eine führende Position erzielen wollen, so sind offenbar nicht nur konkurrenzfähigere Produkte, sondern auch noch eine Menge Überzeugungsarbeit notwendig.
Dennoch ist Microsoft weit davon entfernt, sich von seinen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen zu lassen. Die neue Strategie gewinnt auch immer mehr Fürsprecher. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass etwa der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung zu den Unterstützern von Microsofts Software-Plattform  .NET gehört. Samsung ist inzwischen sogar federführendes Mitglied der Microsoft .NET Foundation, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Entwicklung von Open-Source-Anwendungen für .NET zu forcieren. Auch Google hat sich vor Kurzem der .NET-Plattform angeschlossen.

Visual Studio und .NET überzeugen Entwickler

Microsoft ist es mittlerweile gelungen, zahlreiche Linux- und Open-Source-Entwickler von seiner multisprachfähigen Entwicklungsumgebung Visual Studio und der Software-Plattform .NET zu überzeugen. Dazu zählt auch die Entwicklergemeinde von Angular, dem quelloffenen JavaScript-Framework aus dem Hause Google, die mit ihrer tatkräftigen Unterstützung der Type­Script-Programmiersprache zum Erfolg von Microsoft beigetragen hat.
Als ausschlaggebend für die Unterstützung Microsofts  gilt Visual Studio, das neuerdings mit Xamarin Studio gebündelt wird. Xamarin Studio ist eine beliebte Crossplattform-Entwicklungsumgebung für Mobil­geräte, die Microsoft akquirierte, um sie als Open Source zu veröffentlichen.
Mit Xamarin Studio lassen sich mobile Software-Projekte unter anderem zwischen der Windows- und der Mac-Edition von Visual Studio austauschen und grosse Teile der Code-Basis für verschiedene Zielplattformen wieder­verwenden. So können Unternehmen ihre Entwicklungskosten senken und die Release-Zy­klen von Software beschleunigen.




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